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16.05.2016

76`ter Gedenktag der Deportation

„Obwohl wir Deutsche sind, durften wir keine sein“ (Tornado Rosenberg)

 

Zum 76`ten Gedenktag der Deportation von Hamburger Sinti und Roma

 

Anlässlich der Deportation von Hamburger Sinti und Roma lud Rudko Kawczynski (1. Vorsitzender der Rom und Cinti Union e.V.) zur 76` ten Gedenkfeier und Kranzniederlegung ein. Als symbolischer Ort dient der Lohseplatz in der HafenCity. Auf dem Gelände des damaligen Hannoverschen Bahnhofs  begann am 16. Mai 1940 der Holocaust an tausenden Hamburger Sinti und Roma aus sogenannten kriminalpräventiven Gründen durch die Kriminalpolizei.

 

 

 

Erst durch die eigenständige Recherche von Tornado Rosenberg und Rudko Kawczynski sowie durch die Mithilfe eines Anwalts konnten Anfang der achtziger Jahre Beweise für die Deportation und Vernichtung von Hamburger Sinti und Roma gefunden werden, welches aus den Akten der Kriminalpolizei ersichtlich wurde . Hinterbliebene fanden zudem erstmalig die traurige Gewissheit über den Tod vieler Angehöriger.

 

 

 

Seit 1982 gedenken Betroffene und Hinterbliebene dem Holocaust an den Sinti und Roma (Projjamos), auch heute am 16. Mai 2016. Neben Rednerbeiträgen einzelner Sinti und Roma Vertreter leitete Tornado Rosenberg die Gedenkveranstaltung mit musikalischen Einlagen und erzählte von persönlichen traumatischen Erlebnissen seines Vaters und der gesamten Familie, welche die Erfahrungen vieler Sinti und Roma wiederspiegeln:

 

„Sie holten uns aus den Wohnungen heraus, mitten am hellen Tag. Und die Nachbarn dachten wir wären Verbrecher – alle kriminell […]. Wir wurden alle wie Schwerverbrecher und Tiere am hannoverschen Bahnhof versammelt und in Viehwagons in die KZ-Lager nach Polen gebracht. Bereits beim Transport und im Arbeitslager kamen einige Menschen ums Leben. „Obwohl wir Deutsche sind, durften wir keine sein“[...]“(Vater von Tornado Rosenberg).

 

Viola Horvathova, Vorstand der Rom und Cinti Union e.V., appellierte daran, gerade in der heutigen Zeit, in der so viel Feindseligkeit und Fremdenhass herrsche, von der Vergangenheit zu lernen und die traumatischen Geschehnisse des Genozids nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Zukünftige Generationen dürften kein Leid erfahren, nur weil sie Sinti oder Roma sind. Lino Weiss, Vorsitzender des Landesvereins der Sinti in Hamburg, verwies hierbei auf die Verantwortung Aller, sich gegen ein erneutes Erstarken fremdenfeindlicher Parteien zu erheben.

Eine Gedenkstätte leiste hierzu einen Beitrag durch das gemeinsame Erinnern und Ehren, so der Vertreter des polnischen Konsulates. Dieser Ort sei aber auch ein Ort des Ermahnens für zukünftige Generationen, wachsam zu sein, nicht müde zu werden nachzuforschen, Fragen zu stellen und Antworten zu suchen (Vertreters der russischen Föderation). Der Holocaust darf nicht wieder geschehen!

„Euer Leiden, euer Schmerz, sind die Narben im Fleisch der Welt“ (Arnold Lani Rosenberg).

 

 

Zu den Bildern

 

Links:

 

http://hannoverscher-bahnhof.hamburg.de/

 

Fotografiert, registriert und zur Deportation gezwungen

Hamburger Sinti und Roma am 16.Mai.1940

Tornado Rosenberg und Rudko Kawczynski

 

01.05.2016

Jährliche Gedenkveranstaltung zum 16. Mai 1940

Am 16. Mai 1940 um 6:00 Uhr begannen die Verhaftungen der Sinti und Roma und Hamburg.

 

Hierzu findet auch dieses Jahr,

am 16. Mai um 13:00 Uhr im Lohsepark Hamburg,

eine Gedenkveranstaltung an den Holocaust der Hamburger Sinti und Roma durch die Rom und Cinti Union e.V. statt.

 

 

Doch was genau geschah an diesem Tag?

 

Am 11. Mai 1940 um 9:00 Uhr wird im Büro des

Kriminalrates Lyss die Vorgehensweise für die Deportation

der Hamburger Sinti und Roma abgesprochen. An der Besprechung nehmen von Seiten der Polizei Kommissar Otto Schmidt als verantwortlicher Einsatzleiter und Kommissar Peters teil. für die Sozialverwaltung Herrn Feddern. Es wird vereinbart das die Verhaftungen in sechs Gruppen durchgeführt werden.

 

1. Gruppe 82. Polizeirevier Nöldekestraße

2. Gruppe 41. Polizeirevier Lindenstraße

3. Gruppe 33. Polizeirevier Stadthaus

4. Gruppe 34. Polizeirevier Großneumarkt

5. Gruppe 70. Polizeirevier Langestraße

6. Gruppe 100. Polizeirevier Horst Wesselstraße

 

Anschließend sind die „Zigeuner“ in ein Sammellager zu bringen. Man einigt sich auf den im Freihafen gelegenen Fruchtschuppen. Auch die Kostenfrage wird geklärt. Das Geld welches von der Sozialverwaltung für ein spezielles Konzentrationslager für Zigeuner in Hamburg Öjendorf zu Verfügung gestellt war, wurde nunmehr für die Deportation verwendet.

 

Als Abwesenheitspfleger für das den deportierten Roma und Sinti abgenommenen und zurückgelassene Vermögen, wurden die für die einzelnen Polizeireviere zuständigen Wohlfahrtspolizeibeamten bestellt.

 

Am 20. Mai 1940 wurden die Roma und Sinti vom damaligen Hannoverschen Bahnhof in die Vernichtung nach Belzec deportiert. Der klassische Raubmord begann...

 

Lani Rosenberg beschreibt in seinen Erinnerungen, wie er damals als 15- jähriger Sinto festgenommen und deportiert wurde:

 

... „Am 16. Mai 1940 wurden meine Mutter, meine Geschwister und ich ebenfalls verhaftet. Wir wurden mit mehreren hundert Sinti und Roma gesammelt und in einen Schuppen, der sich im Freihafen befand, gebracht. Einen Teil unserer Kleidung durften wir mitnehmen, Geld und Wertsachen wurden uns abgenommen. Wir bekamen eine rote Nummer auf die Haut gemalt. Nach ein paar Tagen begann der Abtransport. Der Transport dauerte einige Tage und die Zustände in den Wagons waren unerträglich. Als wir in Belzec ankamen wurden wir sofort von der SS „in Empfang genommen“. Mit vielen von uns machte Sie sich keine große Mühe, Sie mussten ihr Grab schaufeln und wurden erschossen... Ich habe durch die Nazis acht Geschwister und meine Eltern verloren. Alles zu schildern, was ich in meiner 5 jährigen KZ-Zeit miterlebt habe ist unmöglich, da es mit Worten nicht wiederzugeben ist“ ...

 

Aus der Sicht der Täter liest es sich so:

... „Betrifft: Bekämpfung der Zigeunerplage.

Am 16.05.1940 wurde die von der Polizei geplante Sonderaktion gegen Zigeuner durchgeführt. Von den rund 1300 in Hamburg aufhältigen Zigeunern wurden durch diese Aktion etwa 550 erfasst und nach Polen abtransportiert. Etwa 450 waren aus Schleswig Holstein und aus einem Teil von Hannover nach Hamburg überführt“

 

Es sollten noch zwei weitere Deportationen aus Hamburg folgen, beide nach Auschwitz; am 11.März 1943 mit 328, und am 18. April 1944 mit 26 Roma und Sinti Frauen sowie Kindern, darunter auch die erst 4 Monate alte Rita Klemenz.

 

Der Kriminalpolizist Everding einer der hauptverantwortlichen Mitarbeiter der NS-Zigeunerdienststelle der Hamburger Polizei, stellt einige Monate nach dem Krieg, am 22. September 1945 eine Überschlagsrechnung auf, aus der zu ersehen ist, wieviele Zigeuner bei der Ausrottung „übersehen“ wurden:

 

... „Es müssten demnach zur Zeit (22.09.1945) im Gebiet Großhamburg zigeunerische Personen aufhältig sein:

493“ ...

 

Keiner der Verantwortlichen wurde jemals von den Deutschen Behörden für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen. Die Zigeunernachrichtendienststelle der Hamburger Polizei, welche die Nazis eingerichtet hatten, arbeitete bis 1982 weiter....

 

 

Links:

Lohsepark Hamburg Wiki Eintrag:

https://de.wikipedia.org/wiki/Am_Lohsepark

Fotografiert, registriert und zur Deportation gezwungen

Hamburger Sinti und Roma am 16.Mai.1940

10.04.2016

Romaday 2016

Am 8. April 2016 fand der Internationale "Romaday" statt. Der Romaday soll an die Verfolgung von Sinti und Roma sowie dem Völkermord durch das Deutsche Nationalsozialistische Regime des dritten Reichs erinnern. In Berlin haben zahlreiche Künstler, Politiker und Holocaust-Überlebende sich öffentlich gegen Diskriminierung von Sinti und Roma ausgesprochen. Es soll vor allem aber auch einen Anstoß zum Nachdenken geben für die heutige Situation und aktuellen Antiziganismus denn wie Zoni Weisz (Niederländischer Sinto und Holocaust überlebender) schon bei einer Bekanntgebung am Brandenburger Tor anlässlich des Romaday in Berlin gesagt hatte:

 

"Es kann und darf nicht sein, dass ein Volk, dass durch die Jahrhunderte hindurch diskriminiert und verfolgt worden ist, heute, im 21. Jahrhundert, immer noch ausgeschlossen und jeder ehrlichen Chance für eine bessere Zukunft beraubt wird."

 

An der Veranstaltung nahm unter anderen auch Bundespräsident Joachim Gauck teil der sich jedoch enthielt und lediglich Zuschauer war.

 

 

Für den Romaday in Berlin gab es den Auftakt schon ein Tag zuvor im Studio "Я" bei einer Diskussionsrunde zum Thema:

 

"Wie hat sich die Situation der Roma seit 1971 verändert, welche Strategien des politischen Kampfes haben funktioniert und welchen Wert hat die Kategorisierung »Sinti und Roma« im Diskurs heute?"

 

mit dabei waren:

Markus End, Gilda-Nancy Horvath, Soraya Post und erster RCU Vorsitzender Rudko Kawczynski

 

Abschluss fand der Romaday ebenfalls im Studio "Я" mit einer "Work in progress" Vorstellung mit dem Namen "The Journey" die auf humorvolle und spannende Art ein sehr ernstes Thema  bearbeitete: Die typische Geschichte eines Roma der aus der nordserbischen Stadt Novi Sad über Budapest bis nach Berlin floh. Eine Geschichte über die Balkan Route und die damit verbundenen Wünsche, Träume und Enttäuschungen eines Roma.

 

Mit Hamze Bytyci, Kristóf Horváth, Slaviša Marković, Branislav Mitrović, Ognjen Petković, Brina Stinehelfer und M & M

 

 

 

Links:

 

Romaday Website

http://www.romaday.org/

 

Studio "Я"

http://www.gorki.de/studio-ya/

17.03.2016

Einweihungs Bürgerfest "Lohsepark" im Juli 2016

Vorlaufend zur Eröffnung des Gedenkortes am 09. Juli 2016 im Lohsepark und im Gedenken an die Deportation des Hannoverschen Bahnhofs, wird im Frühsommer 2016 bereits die Parkanlage des Lohseparks eingeweiht werden. Sie soll am Wochenende des 9./10. Juli 2016 im Rahmen eines öffentlichen Bürgerfestes eingeweiht werden.

 

Das Eröffnungsfest findet statt:

 

Samstag, 9. Juli 2016    13:00 - 21:00 Uhr

Sonntag, 10. Juli 2016   10:00 - 19:00 Uhr

 

 

Unter anderen Programmen wie Konzerten, Theater, Musik im Park, Open Air Tanz, diversen Parkspielen und vielem mehr, findet auf dem Lohseplatz auch ein Programm der Erinnerung statt. Denn dort wo sich heute der Lohseplatz befindet, stand früher der Hannoverscher Bahnhof. In den Jahren 1940 bis 1945 wurde dieser zum Deportationsbahnhof. Von hier wurden mindestens 7.692 Roma, Sinti und Juden in Ghettos und Konzentrationslager deportiert.

 

In Erinnerung an die Vergangenheit des Ortes wird im Zuge der Parkgestaltung ein angemessen würdevoller Ort des Gedenkens an die Opfer der Deportation Integriert.

 

Die Rom und Cinti Union hat seit 1982 durch Aktionen wie dem jährlich veranstalteten Gedenken an die Deportation vom 16.Mai 1940, der Mitarbeit bei der Ausstellung "In den Tod geschickt" und politischem Engagement für die Erstellung dieses Gedenkortes bedeutend zu seiner Realisierung beigetragen.

 

Zentraler Ort für den Themenbereich "Erinnerung" wird der Lohseplatz mit einer eigenen thematischen Bühne sein. Außerdem soll zum Fest die Fuge zugänglich gemacht werden. Am Ausgang der Fuge öffnet sich für Besucher der Blick auf den Gleis- und Bahnsteigbereich, der sich zum Zeitpunkt des Fests noch im Bau befinden wird.

 

28.02.2016

Vorstandswahl 2016

 

Am Sonntag, den 28.02.2016, fand in Hamburg die Vorstandswahl der Rom und Cinti Union e.V. statt. Zahlreiche Mitglieder erschienen persönlich und wohnten der Wahl gespannt bei. Mit großer Mehrheit gewannen: Rudolf Kawczynski, Tino Knudsen, Viola Horvathova, Helene Weiss (nicht im Bild) und Adam Glowacki. Mit der Wiederwahl bestätigt sich auch das hohe Vertrauen der Mitglieder in den alten Vorstand, der nun weiterhin alles geben wird, um die Rom und Cinti Union e.V. bestens zu vertreten. Damit bleibt die RCU auch weiterhin einer der führendsten sozialen Vereine Deutschlands.

 

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